Deine Website ist kein Möbelstück. Sie ist ein Garten — und deiner ist zugewuchert
Letzte Woche hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich einen guten Schreinermeister kenne. Küchen, Einbauschränke, solide Arbeit — ich kannte sogar einen, aus Wardenburg, der macht das seit zwanzig Jahren. Bevor ich seinen Namen raushaue, mach ich, was ich immer mache: kurz die Website checken. Angewohnheit aus Berufskrankheit. Und dann stand ich da: „Aktuelles“ — letzter Eintrag 2021. „Referenzen“ — drei Projekte, alle von 2019. Impressum — mit der Adresse, unter der er seit fünf Jahren nicht mehr sitzt. Ich hab die Empfehlung nicht ausgesprochen. Nicht, weil er schlecht arbeitet. Sondern weil ich ehrlich gesagt nicht wusste, ob es den Betrieb überhaupt noch gibt.
Und genau da liegt der Punkt, den fast kein Handwerker versteht: Eine Website, die seit Jahren nicht angefasst wurde, sieht für Kunden nicht aus wie „die pflegen ihre Seite halt nicht“. Sie sieht aus wie ein Betrieb, der aufgehört hat. Kunden übersetzen „nicht gepflegt“ nicht als „keine Zeit“ — sondern als „nicht mehr aktiv“. Das ist der Unterschied zwischen einem Laden mit offener Tür und einem Laden mit vergilbten Schildern. Die Tür ist offen. Aber keiner traut sich rein.
Ich verkaufe Websites. Ich könnte dir jetzt erzählen, dass deine Website das Wichtigste in deinem Business ist und dass du dringend eine neue brauchst. Mache ich nicht. Die meisten Betriebe, die zu mir kommen, haben schon eine Website. Sie haben nur eine, die sie seit Jahren nicht mehr angefasst haben. Und genau da fange ich an.
Deine Website ist kein Möbelstück. Sie ist ein Garten.
Die meisten Handwerker kaufen ihre Website wie ein Sofa: einmal kaufen, hinstellen, fertig. Zwanzig Jahre lang. Und dann wundern sie sich, dass keiner mehr drauf sitzen will.
Eine Website ist kein Sofa. Sie ist ein Garten. Ein Garten, der einmal schön angelegt wurde, ist nach einem Jahr voller Unkraut, nach zwei Jahren Gestrüpp — und nach drei Jahren sieht man nicht mehr, dass da mal was angelegt wurde. Ohne Pflege stirbt er. Nur viel langsamer, als man denkt. Und das Tückische: Er stirbt leise. Es gibt keinen Knall, keine Fehlermeldung, nichts. Die Seite lädt, der Button funktioniert, auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer. Und trotzdem ist sie tot — für alle, die sie zum ersten Mal sehen.
Eine ungepflegte Website ist kein schlechtes Marketing. Sie ist negatives Marketing.
Was Veraltung wirklich kostet — drei Beispiele aus meinem Alltag
Ich sehe jede Woche tote Websites. Nicht aus Neugier — ich muss sie mir angucken, bevor ich mit Kunden spreche. Und ich hab angefangen mitzuschreiben, was Veraltung konkret anrichtet. Drei Beispiele:
Beispiel 1: Die „Aktuelles“-Seite von 2021. Ein SHK-Betrieb, dessen letzte News dreieinhalb Jahre alt ist, sagt damit etwas ganz Bestimmtes. Nicht „wir sind bescheiden“. Sondern „hier ist seit Jahren nichts passiert“. Wenn bei dem die Heizung ausfällt, googelt der Kunde „Heizung Notdienst“ — und landet bei der Kette mit der 24/7-Hotline, die ich neulich selbst am eigenen Leib bezahlt habe. Nicht weil die besser ist. Sondern weil sie lebendig wirkt. Eine tote Website ist der leise Weg, genau diese Aufträge zu verschenken.
Beispiel 2: Die Preise von 2018. Auf der Seite eines Heizungsbauers standen noch die Preise von vor acht Jahren: „Warmwasserboiler ab 850 Euro“. Der Kunde freut sich, ruft an, bekommt ein Angebot über 1.400 — und denkt: Abzocker. Hättest du den alten Preis nie gezeigt, wäre er vielleicht geblieben. So hast du ihn garantiert verloren. Und nebenbei: Wenn du deine Preise ohnehin versteckst, ist das ein eigenes Thema — „Preise auf Anfrage“ ist der teuerste Satz auf deiner Website, und veraltete Preise sind nur die stillere Variante davon.
Beispiel 3: Das Impressum mit der alten Nummer. Klingt nach Kleinkram, ist es nicht. Ich hab mal die Nummer gewählt, die auf der Website eines umgezogenen Betriebs stand — und es ging ein völlig anderes Unternehmen ran. Stell dir vor, das passiert deinem Kunden: Er hat deine Website gefunden, will dir einen Auftrag geben, und landet telefonisch bei deinem Konkurrenten. Der nimmt den Auftrag. Du erfährst nie davon. So stirbt ein Betrieb: nicht mit einem Knall, sondern weil jeder Kunde einzeln wegläuft.
Und Google? Ich sag dir ehrlich, was ich weiß — und was nicht
Jetzt kommt der Teil, in dem die SEO-Branche gerne mit Studien um sich wirft: „Frische Inhalte werden belohnt! Google liebt Aktualität!“ — Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt. Ich hab nie eine saubere Studie gesehen, die das für einen Malerbetrieb in Cloppenburg belegt. Vielleicht rankt eine gepflegte Website bei Google besser. Vielleicht auch nicht.
Aber ich weiß etwas anderes: Menschen ranken. Der Kunde, der auf deiner Website landet und denkt „der macht das noch“, ruft an. Der, der denkt „sieht verlassen aus“, klickt zurück und ruft die nächste Firma an. Und wenn der Kunde dich nicht anruft, ist es völlig egal, ob du auf Platz eins stehst. In meiner Praxis sehe ich eins deutlich: Die Betriebe, die ihre Website regelmäßig anfassen, bekommen mehr Anrufe als die, die es nicht tun. Ob das an Google liegt oder daran, dass gepflegte Betriebe auch sonst aktiver sind — keine Ahnung. Mir reicht, dass es funktioniert.
Und falls du jetzt denkst: „Die Website bringt doch eh nichts“ — nein, du misst nur nicht. Ich hab hier aufgeschrieben, wie du in einer halben Stunde rausfindest, was deine Website wirklich bringt.
Die 30-Minuten-Regel: Das ist alles, was du brauchst
Jetzt denkst du wahrscheinlich: „Daniel, ich hab keine Zeit, mich jeden Monat um die Website zu kümmern.“ Verstehe ich. Deshalb rede ich nicht von zwei Tagen im Monat. Ich rede von 30 Minuten. Einmal im Monat. Ein Termin im Kalender: der 15., 16 Uhr, Eintrag „Website“. Fertig.
Und das machst du in diesen 30 Minuten:
- Footer checken: Steht da noch 2023, ist das der erste Eindruck, den jeder Kunde bekommt.
- „Aktuelles“ oder „Neuigkeiten“: einen echten Eintrag schreiben. Drei Sätze reichen. Was war los, fertig.
- Das letzte Projekt rein: ein Foto, zwei Sätze. Echte Fotos von deiner Arbeit sind das stärkste Argument, das du hast — und sie sind nur dann stark, wenn sie neu sind.
- Impressum checken: Adresse, Telefon, Handynummer — stimmt noch alles? Das ist nicht nur Optik, das ist auch rechtlich dein Problem.
- Eine Frage, die dir diese Woche ein Kunde gestellt hat, in die FAQ schreiben. Echt jetzt. Das ist die beste Content-Idee, die es gibt.
- Altes raus: Leistungen, die du nicht mehr anbietest, Projekte von vor sechs Jahren, veraltete Preise.
Das ist alles. Keine Strategie, kein Redaktionsplan, kein Content-Marketing-Fahrplan. Dreißig Minuten, einmal im Monat. Wenn du das machst, bist du besser als neunzig Prozent deiner Konkurrenz — das kann ich dir ohne jede Studie versprechen, weil ich die Websites sehe, mit denen ich täglich arbeite.
„Ich hab doch gar nichts zu erzählen“
Der Einwand, den ich am häufigsten höre. „Ich soll jeden Monat was Neues schreiben? Mir fällt doch nichts ein.“ Doch. Dir fällt etwas ein — du merkst es nur nicht, weil du mitten drin steckst. Die Frage, die dir diese Woche dreimal gestellt wurde, ist Content. Das neue Material, die neue Maschine, der neue Azubi — Content. Die Baustelle, bei der was schiefging und du es gelöst hast — der beste Content überhaupt, weil er Vertrauen baut.
Letzte Woche hat mir ein Heizungsbauer erzählt, dass er seit Jahren keine Ölheizung mehr einbaut, weil sich das für seine Kunden nicht mehr rechnet. In zehn Minuten hat er mir drei Artikel erzählt, ohne es zu merken. Er muss es nur hinschreiben. Der beste Text ist immer der, den du eh schon erzählst — beim Kunden, beim Kaffee, im Sportverein. Und wenn du selbst wirklich keine Zeit hast: Dann ist genau das der Moment, über ein Pflege-Modell nachzudenken statt über ein neues Sofa. Warum das Monatsmodell für die meisten Betriebe das bessere Geschäft ist als der einmalige Kauf, hab ich hier aufgeschrieben.
Der Test, den ich mit jedem Kunden mache
Öffne deine Website auf dem Handy — so, wie ein Kunde sie sieht, nicht so, wie du sie kennst. Und stell dir eine Frage: Würde ich diesen Betrieb anrufen, wenn ich ihn nicht kennen würde? Steht da irgendwas aus diesem Jahr? Siehst du das neueste Projekt? Oder siehst du eine Seite, die aussieht, als hätte der Inhaber vor drei Jahren aufgehört?
Wenn die Antwort wehtut: Gut. Dann weißt du, wo du anfängst. Und falls du dich fragst, wessen Schuld das überhaupt ist, dass da nie was passiert ist — die Antwort ist meistens: nicht nur deine. Aber egal, wessen Schuld: Der Garten gehört dir.
Ich schreibe diesen Artikel übrigens gerade an meinem eigenen Website-Termin. Jeden letzten Montag im Monat, 30 Minuten, Eintrag im Kalender. Klingt spießig? Vielleicht. Funktioniert? Ja. Und es ist der einzige Marketing-Termin, den ich nie verschiebe.
Deine Website ist dein bester Mitarbeiter. Sie schläft nie, motzt nie und fragt nie nach Urlaub. Aber wie jeder gute Mitarbeiter braucht sie Zuwendung — sonst kündigt sie innerlich. Und das Schlimmste: Sie kündigt nicht. Sie tut nur so, als ob sie arbeitet.
Also: Termin in den Kalender. 30 Minuten. Nächsten Monat. Und dann den Monat danach. Deine Website hat dich in den letzten Jahren nichts gekostet — sie hat dich nur Aufträge gekostet, ohne dass du es gemerkt hast. Das ändert sich ab jetzt.
Quellen
Daniel Ludmann
KI-Entwickler & Web Designer aus Essen (Oldenburg). Ich baue schnelle, ehrliche Websites für kleine Betriebe.
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