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Web, SEO & KI01.09.2026 · 8 Min.

Ich hab 5 Handwerker-Websites gemessen — 4 davon waren eine Zumutung

Letzte Woche hab ich fünf Handwerker-Websites gemessen. Nicht mit einem Profi-Tool, nicht vom Büro-Rechner mit Glasfaser — sondern so, wie es ein Kunde tut: normales Handy, mobiles Netz, Parkplatz vorm Baumarkt. Das Ergebnis: 11,4 Sekunden. 8,9. 7,2. 5,8. Und einmal 2,3. Vier von fünf Seiten haben länger gebraucht, als ein Mensch mit einem Notfall bereit ist zu warten. Und die schnellste Seite gehörte ausgerechnet dem, der am wenigsten dafür bezahlt hat.

Der traurigste Fall war der Dachdecker. Vor zwei Jahren hat er einer Agentur viel Geld gegeben für eine „richtig moderne Seite“. Als ich ihm erzählt hab, dass seine Website 11,4 Sekunden braucht, hat er gelacht: „Quatsch. Die ist doch sofort da.“ Ich hab ihm sein eigenes Handy hingelegt. „Mach sie auf.“ Er hat mitgezählt. Bei acht war er beim nächsten Handwerker. Und dann kam der Satz, den ich ständig höre: „Aber bei mir zu Hause ist die immer sofort da.“ Ja. Zu Hause. Im WLAN. Am Abend, wenn das Netz frei ist. Dein Kunde ist aber nicht zu Hause, wenn er dich sucht.

Der sucht um 22:47 Uhr im Schlafanzug, das Wasser tropft ihm von der Decke, und er tippt „Klempner Notdienst“ in ein Handy, das drei Jahre alt ist — im Treppenhaus, mit zwei Balken Empfang. Der wartet keine sieben Sekunden. Der tippt auf das erste Ergebnis, das aufploppt. Wenn das nicht du bist, repariert ein anderer seinen Schaden — und der Kunde erinnert sich beim Bezahlen nicht mal an deinen Namen.

Deine Website ist dein Schaufenster. Wenn die Tür klemmt, gehen die Leute in den Laden nebenan. Bei vier von fünf Handwerkern klemmt die Tür.

Drei Übeltäter — und fast immer ist einer davon dabei

Ich mach das jetzt seit über zehn Jahren, und in meinen fünf Messungen waren alle drei Klassiker vertreten. Wenn deine Website langsam ist, ist es fast immer einer von denen.

Übeltäter 1: Fotos, so groß wie ein ganzes Album

Der Malermeister mit den 8,9 Sekunden hatte 43 Bilder auf seiner Startseite. Eines davon — ein Gruppenfoto vom Team — wog 14 Megabyte. Ein einziges Bild, so schwer wie 300 vernünftige. Er hatte die Fotos direkt vom Handy hochgeladen, „die sehen doch gut aus“. Sehen sie auch. Nur muss jedes einzelne erst von einem Server durch die Gegend reisen und sich auf dem Handy des Kunden zusammensetzen. 43 Mal. Bei schlechtem Empfang ist das, als würdest du deine komplette Werkzeugkiste im Rucksack zur Baustelle tragen, obwohl du nur einen Schraubenzieher brauchst.

Und Achtung, das ist der Punkt, an dem sich meine Artikel gern zu widersprechen scheinen: Ja, echte Fotos schlagen Stockfotos — das hab ich hier schon mal breitgetreten. Der Sanitärmeister mit der Katalog-Badewanne hat recht: Zeig deine echte Arbeit. Aber zeig sie verkleinert. Ein echtes Foto, das 14 Megabyte schwer ist, gewinnt gegen kein Stockfoto, weil es beim Kunden schlicht nie ankommt. Drei echte, knackige Fotos schlagen vierzig lahme — auf jeder Leitung.

Übeltäter 2: Der Neffe

Die 11,4 Sekunden gehörten dem Dachdecker. Seine Seite hat vor sechs Jahren der Sohn vom Kumpel gebaut — „der macht das beruflich“. Hat er auch. Einmal. Seitdem wurde nichts mehr angefasst: kein Update, kein neues Bild, kein einziges Mal. Die Technik von damals ist heute ein Vielfaches schwerer — jeder Besucher schleppt sechs Jahre alten Ballast mit, ob er will oder nicht.

Jetzt kommt das Aber, und das ist wichtig: Es ist nicht der Neffe, der schuld ist. Der hat sein Bestes gegeben und danach vermutlich nie wieder etwas von der Seite gehört. Es ist der, der sechs Jahre lang nichts gefragt hat. Eine Website ist kein Einmal-Projekt wie eine Rechnung — sie ist ein Mitarbeiter. Und ein Mitarbeiter, den du sechs Jahre nicht fütterst, wird langsam, müde und am Ende nutzlos. Wie man so einen Mitarbeiter pflegt, hab ich im Garten-Artikel aufgeschrieben — Tempo ist nur das erste Symptom.

Übeltäter 3: Der Schnickschnack

Die 7,2 Sekunden waren ein Elektrobetrieb mit einer brandneuen Website. Modern, schick — und vollgestopft: ein Slider mit fünf Bildern, der sich von allein dreht, ein Chat-Fenster, das nach drei Sekunden aufpoppt, eine Karte, ein Zähler, der „15 Jahre Erfahrung“ hochzählt, drei Schriftarten. Jedes einzelne Element kostet Ladezeit. Der Elektriker hat für den Schnickschnack bezahlt — und seine Kunden zahlen mit Wartezeit. Der Web-Mensch, der ihm das verkauft hat, hätte ihm einen Gefallen tun sollen: weniger.

Und was heißt das jetzt für MICH?

Gute Nachricht: Das ist kein Hexenwerk und kein Dauerprojekt. Ein Nachmittag, dann ist das Ding durch. So gehst du ran:

  1. Miss selbst. Handy nehmen, mobiles Netz, WLAN aus, deine Website aufmachen, Stoppuhr. Wenn du bis fünf zählen kannst, bevor was passiert: zu langsam. Wenn du eine Zahl willst: Google PageSpeed Insights, Adresse eintippen, Punktzahl kriegen. Kostenlos, kein Account, kein Nerdwissen.
  2. Frag deinen Web-Menschen drei Fragen: Wie schnell lädt meine Seite auf einem normalen Handy mit mobilem Netz? Sind meine Bilder verkleinert? Was kostet es, das zu fixen? Wenn die Antwort auf Frage eins „müsste ich mal checken“ ist, hast du schon eine Antwort.
  3. Reduzier die Bilder. Drei gute statt vierzig mittelmäßige. Das ist der schnellste Gewinn, den es im Webdesign überhaupt gibt.
  4. Wirf den Ballast raus. Slider, der sich dreht: raus. Chat-Widget, das alle nervt: raus. Weniger ist schneller — und schneller ist mehr Aufträge.

Und falls deine Seite nach all dem immer noch lahmt: Der heimliche Übeltäter Nummer vier ist der Hoster. Der billigste Tarif im Internet — drei Euro im Monat, Server irgendwo, wo deine Kunden nicht sind — ist fast immer auch der langsamste. Auf der Baustelle kaufst du ja auch nicht den billigsten Schlagbohrer und wunderst dich, dass er nach drei Löchern aufgibt. Für ein paar Euro mehr im Monat liegt deine Seite auf einem Server, der in Deutschland steht. Das ist kein Luxus. Das ist Grundausstattung.

Und dann: fertig. Das ist kein Monatsprojekt. Das ist wie der Ölwechsel: einmal im Jahr, eine Stunde, dann läuft der Motor. Wer danach weitermachen und wissen will, ob die Website überhaupt etwas bringt, findet hier die Anleitung zum Messen. Aber erstmal: Tempo.

Die unbequeme Wahrheit

Ich könnte dir jetzt erzählen, dass das alles deine Schuld ist. Mache ich nicht. Es ist ein blinder Fleck — dir hat nie jemand gesagt, dass Ladezeit zählt. Die Agentur nicht, der Neffe nicht, der Hoster nicht. Und jetzt sag ich’s dir: Sie zählt. Nicht, weil Google das will — obwohl Google das seit Jahren nachweislich will, das ist dokumentiert, keine Verschwörung. Sondern weil dein Kunde es will. Dein Kunde sucht den Handwerker, der am schnellsten da ist. Und „da“ heißt heute: zuerst auf dem Display.

Und damit du nicht denkst, ich rede von oben herab: Ich hab vor zwei Jahren meine eigene Website drei Monate nicht angefasst. Ich hatte zu tun, echte Kunden, ehrliche Arbeit. Als ich dann endlich mal gemessen hab: 6,8 Sekunden. Ich — der Typ, der anderen erklärt, wie wichtig Tempo ist. Meine eigene Tür klemmte. Der Unterschied ist nur, was man danach macht: Ich hab einen Nachmittag investiert, seitdem bin ich unter zwei Sekunden. Das ist kein Prahlen. Das ist der Beweis, dass es an einem Nachmittag geht.

„Da sein“ heißt heute: zuerst auf dem Display sein. Dein Kunde wartet nicht auf dich — er wartet auf den, der als Erster da ist.

Mach den Test. Heute.

Du musst mir nichts glauben. Glaub deinem Handy. Mach deine Website auf — jetzt, hier, im mobilen Netz, nicht im Büro-WLAN. Zähl mit. Wenn du bei fünf noch auf einen weißen Bildschirm starrst, hast du deine Antwort. Und wenn du willst, schick mir deine Adresse, ich mess sie dir durch und sag dir die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist. Zehn Minuten, kostet nichts. Mehr Ehrlichkeit kriegst du selten geschenkt.

Und der Dachdecker? Der hat seine Seite inzwischen auf 2,1 Sekunden trimmen lassen. Gekostet hat es ihn weniger als ein Viertel von dem, was die Agentur damals für die „moderne Seite“ verlangt hat. Sein erster Anruf nach dem Fix kam um 22:47 Uhr. Wasserrohrbruch. Er war der Erste auf dem Display.

Daniel Ludmann

KI-Entwickler & Web Designer aus Essen (Oldenburg). Ich baue schnelle, ehrliche Websites für kleine Betriebe.

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