Ich hab 3 Monate lang SEO gemacht — was wirklich was gebracht hat (und was nicht)
Vor drei Monaten hab ich mir geschworen: Jetzt mach ich SEO. Richtig. Nicht so halb — richtig. Keyword-Recherche, Artikel, interne Verlinkung, das volle Programm. Immerhin verkaufe ich das Zeug, da konnte ich nicht ewig vor meinen Kunden sitzen und sagen „macht mal“, ohne es selbst durchgezogen zu haben.
Drei Monate später kann ich dir eines sagen: Die Hälfte von dem, was man dir als SEO verkaufen will, ist für einen Betrieb in deiner Größe komplett für die Tonne. Und die andere Hälfte wirkt so gut, dass du dich fragst, warum du nicht vor zehn Jahren damit angefangen hast. Hier ist der ehrliche Bericht. Mit Zahlen. Auch den peinlichen.
Was ich gemacht habe — und was ich mir dabei gedacht hab
Kurz zum Setup: Meine eigene Website, ludmann.eu, ist kein großes Ding. Kein Shop, keine 200 Unterseiten, kein Content-Team. Ich wollte genau eines: dass Leute aus der Region, die einen Webdesigner oder KI-Unterstützung suchen, mich finden, wenn sie googeln. Das ist exakt dieselbe Ausgangslage wie bei einem Malerbetrieb in Cloppenburg oder einem Elektriker in Essen — nur mit anderen Suchbegriffen.
Mein Plan war: erstens rausfinden, wonach meine Kunden wirklich suchen. Zweitens die wichtigsten Seiten dafür umschreiben. Drittens ein paar richtig gute Artikel schreiben. Viertens mein Google Business Profile auf Vordermann bringen. Klingt vernünftig, oder? War es auch. Nur hab ich die Reihenfolge ziemlich schnell durcheinandergebracht — und genau da fing der Spaß an.
Was nicht funktioniert hat — die peinliche Liste
Fangen wir mit dem an, was ich am liebsten unter den Teppich kehren würde. Erstens: Ich hab eine Seite für ein Keyword gebaut, das genau null Menschen suchen. Meine schlaue Idee: „KI-Entwicklung Oldenburg“. Drei Monate später sagt mir die Google Search Console: null Impressions. Nicht ein einziger Mensch hat diese Wörterkombination eingegeben. Ich hab Stunden reingesteckt in eine Seite, die niemand je zu Gesicht bekommt. Schön gemacht, Daniel.
Zweitens: die Meta-Description-Aktion. Ich hab jede einzelne Seite mit liebevoll formulierten Beschreibungen versehen. Drei Wochen lang. Weißt du, was das gebracht hat? Nichts. Google schreibt dir die Beschreibungen eh selbst um, sobald es glaubt, es weiß es besser. Und es weiß es fast immer besser.
Drittens — und jetzt wird's richtig peinlich: der große Ratgeber-Artikel. Sieben Stunden Arbeit. Struktur, Beispiele, Recherche. Der ultimative Guide. Ergebnis nach drei Monaten: elf Besucher. Elf. Mein Kater hat an einem Nachmittag mehr Leute angeschaut. Und das Schlimmste: Ich hab den Fehler sofort erkannt, als ich den Artikel zwei Wochen später auf einem Kundenprojekt wiedergelesen hab. Es war genau der Artikel, den ich selbst schon hundertmal gesehen hab — nur mit anderem Logo. Ich hatte exakt das gebaut, was ich jeden Tag kritisiere: einen Text, der sich wie ein Text anfühlt, statt eine Frage zu beantworten.
Viertens: Backlinks. Ich hab mir überlegt, wo ich „mal eben“ Links zu meiner Seite unterbringen könnte. Foren, Branchenverzeichnisse, Kommentarspalten. Zum Glück hab ich das nach einer Woche gelassen, bevor ich mich komplett zum Affen gemacht hab. Klar, Backlinks sind wichtig. Aber welche von irgendwoher zu sammeln, bringt genau gar nichts, wenn der Rest nicht stimmt — und die meisten Verzeichnisse, die dir „Backlink-Aufbau“ andrehen wollen, sind sowieso Müll. Ein einziger Link von einem echten Ort in deiner Stadt ist mehr wert als fünfzig von irgendwelchen Linkfarmen.
Was wirklich funktioniert hat
Jetzt das Gute. Erstens: die Search Console. Dieses kostenlose Google-Tool zeigt dir, wofür deine Seite wirklich gefunden wird — nicht das, was du glaubst, sondern das, was passiert. Und rate mal: Meine schönsten, klügsten Seiten waren nicht die Treffer. Es war die eine unspektakuläre Unterseite, die ich vor zwei Jahren nebenbei gebaut hab. Sie bringt bis heute die meisten Anfragen. Einfach, weil sie eine echte Frage beantwortet, die echte Menschen eintippen.
Darauf hab ich reagiert: Statt zu schreiben, was ich interessant finde, schreibe ich jetzt, was Leute fragen. Der Unterschied ist gewaltig. Meine besten Artikel sind die, die ich wie eine Antwort auf eine konkrete Frage aufgebaut hab — so wie sie dir ein Kumpel beim Feierabendbier stellen würde. „Was kostet das eigentlich?“ „Muss ich da was wegen Datenschutz machen?“ „Wie krieg ich mehr Bewertungen?“
Zweitens: Google Business Profile. Nicht sexy, aber der größte Hebel für jeden Betrieb mit einem Ort. Ich hab mein Profil komplett ausgefüllt, Fotos hochgeladen, Öffnungszeiten geprüft — und jede Bewertung beantwortet, die da lag. Das hat mehr gebracht als alle Blogartikel zusammen. Und es bestätigt exakt, was ich schon in meinem Artikel über Google-Bewertungen geschrieben hab: Wer lokal gefunden werden will, kommt an diesem Profil nicht vorbei. Die Website ist wichtig. Aber das Profil ist der Türöffner.
Drittens — und das überrascht dich vielleicht: Geschwindigkeit. Nicht die Ladezeit. Die Zeit, die ich brauche, um zu antworten. Ein Interessent, der über die Website anfragt und am selben Tag eine Antwort bekommt, wird zum Kunden. Einer, der drei Tage wartet, googelt weiter. Das ist kein SEO-Trick, aber es ist der Grund, warum aus Besuchern Aufträge werden. Und ich hab das von einem eigenen Kunden gelernt — einem Heizungsbauer, dessen Handy aussah wie ein ungeöffnetes Postfach. Wer zuerst antwortet, bekommt den Auftrag. Punkt.
Die Zahlen — ehrlich
Was ist nach drei Monaten dabei rausgekommen? Nüchtern betrachtet: Die Besuche sind von fast null auf ein paar Hundert im Monat gestiegen. Klingt nicht nach viel — ist für einen kleinen Betrieb in einer Kleinstadt aber genau richtig, weil fast alles davon aus der Region kommt. Die Suchanfragen, die heute bei mir landen, sind zu einem guten Teil genau die, die ich mir gewünscht hab: Leute, die einen Webdesigner in der Gegend suchen. Und ja, es sind auch Aufträge dabei rausgekommen. Keine Dutzende. Aber genug, dass sich der Aufwand gelohnt hat.
Ich hab keine Ahnung, ob irgendeine Studie das hübsch in Prozenten darstellt. Ich weiß nur, was ich auf meinem eigenen Konto sehe: Drei Monate konsequent das Richtige tun haben mehr gebracht als drei Jahre gelegentlich irgendwas machen. Und das ist die eigentliche Erkenntnis.
SEO ist kein Sprint und kein Marathon. SEO ist: aufhören, das Falsche zu tun — und das Richtige oft genug machen.
Was das für dich heißt
Jetzt übersetze ich das für deinen Betrieb, weil du ja kein Webdesigner bist, sondern Elektriker, Dachdecker oder Sanitärfirma. Du hast keine drei Monate Zeit für Keyword-Recherche. Musst du auch nicht. Aus meinem Experiment bleiben drei Dinge hängen:
- Fang nicht mit Technik an. Fang mit der Frage an: „Was tippen meine Kunden ein, wenn sie mich suchen?“ Schreib die fünf Fragen auf, die dir Kunden im Gespräch stellen — das sind deine Keywords. Mehr brauchst du nicht.
- Google Business Profile und Bewertungen schlagen jede Website-Optimierung. Wenn dein Profil halb leer ist und du vier Bewertungen hast, bringt dir die beste Website der Welt nichts. Umgekehrt: Ein gutes Profil bringt Kunden, auch wenn deine Website nicht perfekt ist.
- Wenn du einen Text schreibst: Beantworte eine Frage richtig. Nicht „alles über Elektrik“. Sondern „Was kostet eine Wallbox“ oder „Wann muss der TÜV beim Transporter?“. Ein Artikel, der eine echte Frage beantwortet, schlägt zehn Artikel, die nett klingen.
Und wenn dir jemand ein „SEO-Paket“ für 500 Euro im Monat verkaufen will: Frag ihn, was er in den ersten drei Monaten konkret tun will. Wenn da nicht kommt „Seite X wird für Suchbegriff Y umgebaut, weil Z“, dann ist das Geld besser in deinem Portemonnaie aufgehoben. Das weiß ich jetzt aus erster Hand.
Wer die Theorie dahinter will, kriegt sie in meinem Artikel zu den SEO-Grundlagen — da hab ich aufgeschrieben, wie der 80/20-Ansatz funktioniert. Dieser Text hier ist der Beleg, dass er hält, wenn man ihn wirklich macht. Und wenn du dich fragst, warum dich Kunden trotzdem nicht finden, obwohl deine Seite gut ist: Das hab ich auch schon beantwortet. Spoiler: Es liegt meistens nicht an Google.
So. Und jetzt entschuldige ich mich bei meinem Kater. Der hatte an einem Nachmittag mehr Reichweite als mein bester Artikel. Vielleicht bau ich ihm eine Website.
Daniel Ludmann
KI-Entwickler & Web Designer aus Essen (Oldenburg). Ich baue schnelle, ehrliche Websites für kleine Betriebe.
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