„Muss ich jetzt auch was für ChatGPT machen?“ — Letzte Woche am Telefon, ein Heizungsbauer aus dem Ammerland, Ende 50, drei Angestellte. Sein Sohn hatte ihm erzählt, dass Kunden längst die KI fragen, wen sie anrufen sollen — und dass er da nicht vorkommt. In seiner Stimme war diese Mischung aus Genervtsein und Sorge, die ich in letzter Zeit oft höre.

Ich hab nicht geraten. Ich hab's getestet. Zwei Stunden an einem Dienstagabend, mit einem Zettel und drei KI-Assistenten. Und die Antwort, die ich ihm danach gegeben hab, war kürzer, als er dachte — und unbequemer, als mir lieb war. Aber der Reihe nach.

Was ich getestet hab — und wie du das nachmachen kannst

Ich hab mir überlegt, was echte Kunden wirklich fragen. Nicht „Handwerker Oldenburg“ — so redet kein Mensch. Sondern Sätze wie: „Ich brauche einen Elektriker in Oldenburg, der diese Woche noch Zeit hat.“ „Wer in meiner Nähe kann eine Gastherme tauschen?“ „Maler gesucht, zwei Zimmer plus Flur, nächsten Monat.“ Zwanzig solcher Fragen. Die hab ich drei verschiedene KI-Assistenten gestellt — und zusätzlich die Google-Suche benutzt, die ihre Antworten inzwischen ja auch von einer KI zusammenfassen lässt.

Dann hab ich aufgeschrieben, welche Betriebe in den Antworten auftauchen. Und jetzt kommt der Teil, der mich selbst überrascht hat.

Ich hab keine Ahnung, ob mein Test repräsentativ ist. Zwanzig Fragen sind kein Institut, und die KIs ändern sich ständig. Aber in MEINEM Test war das Ergebnis erstaunlich konsistent: dieselben fünf, sechs Betriebe, immer wieder. Egal, wie ich die Frage gedreht hab. Und es waren nicht die mit dem größten Werbebudget. Nicht die mit den dicksten Zeitungsanzeigen. Es waren die, über die im Netz am meisten steht.

Wie so eine KI überhaupt auf einen Betrieb kommt

Das ist kein Zauber, auch wenn es sich so anfühlt. Die KI erfindet die Betriebe nicht — sie trägt zusammen, was sie über euch findet. Grob gesagt: Bewertungen (und vor allem deren Texte), Einträge in Verzeichnissen, eure eigene Website, Berichte und Erwähnungen im Netz.

Wenn an fünf verschiedenen Stellen dasselbe über einen Betrieb steht — „macht Bäder in Oldenburg, schnell, sauber, fair“ — dann taucht er in der Antwort auf. Wenn über dich nirgends was steht, tauchst du nirgends auf. So einfach ist der Mechanismus. Und so brutal.

Der Betrieb, der in meinem Test am häufigsten genannt wurde, ist ein Zwei-Mann-Betrieb aus dem Umland. Keine Agentur, kein Anzeigenkonto. Aber 38 Google-Bewertungen, jede zweite mit drei, vier Sätzen drin. Denn die KI zitiert nicht die Sterne. Sie zitiert die Sätze. „Küche in zwei Tagen gefliest, hat sogar die Silikonfugen neu gemacht“ — das ist der Stoff, aus dem KI-Empfehlungen sind.

Die KI erfindet keine Betriebe. Sie baut sich dein Bild aus dem, was andere über dich geschrieben haben. Wo nichts steht, ist nichts.

Und das heißt im Umkehrschluss: Du kannst gar nicht „für die KI“ optimieren. Du kannst nur dafür sorgen, dass über dich das Richtige zu finden ist. Das ist der ganze Trick. Und der ist ehrlich gesagt zehn Jahre alt.

Was mich nach dem Test noch beschäftigt hat: Es waren nämlich nie die größten Betriebe in den Antworten. Nie die mit der schönsten Website. Nie die mit der tollsten Visitenkarte. Es waren die mit den klarsten Spuren. Und das ist tatsächlich eine gute Nachricht: Bei dieser Art von Sichtbarkeit gewinnt nicht, wer am meisten Geld raushaut. Es gewinnt, wer am ehrlichsten dokumentiert ist. Das ist das erste Mal seit langem, dass ich bei dem Thema sagen kann: Hier hat der kleine Betrieb einen echten Vorteil — wenn er ihn nutzt.

Die fünf Dinge, die in meinem Test wirklich gezählt haben

  1. Bewertungen mit Text. Sterne sind nett, Inhalt ist entscheidend. Bitte nach jedem Auftrag um zwei, drei Sätze: Was war die Aufgabe, wie lief es. Ein Link zum Profil reicht. Wie du systematisch an Bewertungen kommst, hab ich hier aufgeschrieben: Vergiss die Website — hol erstmal 30 Google-Bewertungen.
  2. Überall dieselben Angaben. Name, Ort, Telefonnummer, Leistungen. Wenn dein Betrieb an einer Stelle „Elektro Müller GmbH & Co. KG“ heißt, an der nächsten „E-Müller“ und an der dritten gar nicht auftaucht, bleibt nur ein Flickenteppich übrig. Einheitlichkeit ist die halbe Miete — und dein Google-Profil ist der Anker: Warum Google Business Profile über deine lokale Sichtbarkeit entscheidet.
  3. Normale Sprache auf deiner Website. „Wir sind Ihr zuverlässiger Partner für sämtliche Leistungen“ — das versteht keine KI, weil es nichts bedeutet. „Ich tausche Gasthermen in Oldenburg und Umgebung, meist innerhalb von zwei Wochen“ — das ist ein Satz, der weitergegeben werden kann. Warum Amtssprache dich schon vor der KI gekostet hat: Deine Website schreibt wie ein Amt — deshalb ruft dich keiner an.
  4. Echte Antworten auf echte Fragen. „Was kostet ein neues Bad?“ „Wie lange dauert ein Heizungstausch?“ „Übernimmst du auch Kleinigkeiten?“ Beantworte, was Kunden fragen — in deinen Worten, mit deinen Zahlen. Genau diese Textstellen werden zitiert.
  5. Spuren außerhalb deiner Website. Dein Verein, die Lokalzeitung, das Partnerunternehmen nebenan. Erwähnungen in der echten Welt sind die einzige Währung, die niemand kaufen kann. Und genau deshalb zählen sie.

Fällt dir was auf? Nichts davon ist neu. Nichts davon ist ein „KI-Trick“. Es ist exakt das Zeug, das auch fürs alte Google schon gut war. Nur ist der Empfänger jetzt ein anderer — und der ist gnadenlos: Eine KI interessiert sich nicht für gekaufte Links. Sie schaut, was über diesen Betrieb wirklich geschrieben steht.

Eine Frage kommt bei dem Thema übrigens immer als zweite, direkt nach dem „Muss ich das?“: „Und wie lange dauert es, bis das wirkt?“ Bei Bewertungen und klaren Texten: schneller, als du denkst. Ich hab es bei eigenen Kunden gesehen — wenige Wochen, nachdem die ersten echten Bewertungstexte da waren und die Website endlich Klartext sprach, tauchten Betriebe in KI-Antworten auf, die vorher nirgends vorkamen. Kein Ranking-Geduldsspiel über Jahre wie früher. Die KI rechnet schnell. Sie muss nur was zum Rechnen haben.

Was ich dir dafür nicht verkaufen würde

Weil ich weiß, dass jetzt irgendwo jemand mit einem Angebot winkt, hier meine ehrliche Liste:

  • „AI-SEO“-Wundermittel. Ab 99 Euro im Monat, versprochen wird die ChatGPT-Empfehlung. Es gibt keinen Eintrag, den man setzen kann, und kein Formular, in das man sich dafür einträgt. Wer dir das verkauft, verkauft dir ein Abo auf ein Gefühl.
  • KI-Texte auf deiner Website. Du merkst es selbst beim Lesen, und die Maschinen merken es auch: Wenn deine Website nach Fülltext klingt, wird sie übersprungen. Lieber drei holprige eigene Sätze als zwanzig glatte fremde.
  • Panik. „In zwei Jahren finden dich keine Kunden mehr“ — nein. Deine Kunden finden dich wie immer. Nur der erste Kontaktpunkt verschiebt sich manchmal. Wer gestern unsichtbar war, ist heute genauso unsichtbar. Die KI hat nur das Licht angemacht.

Was ich dem Heizungsbauer geraten hab

Drei Dinge, alle kostenlos, alle diese Woche machbar:

  1. Ruf vier Kunden der letzten Monate an und bitt sie um eine ehrliche Google-Bewertung. Der Satz, der am besten funktioniert: „Schreiben Sie einfach kurz, was wir gemacht haben.“
  2. Geh deine Website durch und streich jedes „Partner“ und „Lösungen“ und „ganzheitlich“. Schreib stattdessen hin, was du machst, für wen, und wo.
  3. Prüf dein Google-Profil: Telefonnummer, Leistungen, Zeiten. Fünf Minuten, mehr nicht.

„Und das reicht für ChatGPT?“, hat er gefragt. „Nein“, hab ich gesagt. „Es reicht für deine Kunden. Und die KI liest genau denselben Kram — nur schneller.“

Er hat kurz geschwiegen. Dann: „Dann ist das ja gar nicht neu.“ Genau. Ist es nicht. Es ist dieselbe Hausaufgabe wie immer, nur mit einem neuen Lehrer, der strenger korrigiert. Und der gute Teil daran: Bei dieser Hausaufgabe schlägt der Zwei-Mann-Betrieb mit 38 echten Bewertungen den Großen mit dem Werbebudget. Weil die KI nicht fragt, wer am lautesten schreit. Sie fragt, über wen am klarsten gesprochen wird.

Der Kunde interessiert sich nicht für Technik. Er will nur wissen, wem er sein Bad anvertrauen kann. Ob er Google fragt, die KI fragt oder den Nachbarn — die Antwort sollte überall dieselbe sein: dein Betrieb.

Und wenn du jetzt denkst: „Ich hab weder Zeit noch Lust auf Internet-Kram“ — dann ist das in Ordnung. Du musst nichts Neues lernen. Du musst aufschreiben, was du sowieso machst, und die Leute, die es erlebt haben, kurz bitten, es auch hinzuschreiben. Mehr ist es nicht. Wirklich nicht.